Ein Wunder und viele Menschen – Orthodoxes Ostern in Jerusalem

Gepostet von am Apr 20, 2014

Zehntausende christliche Gläubige strömten am gestrigen Karsamstag zum orthodoxen Osterfest in die Altstadt Jerusalems.

Im Zentrum der Feierlichkeiten stand das Entzünden des Heiligen Feuers in der Grabeskirche Jesus, die auch Auferstehungskirche genannt wird. Das Feuer ist nach Überzeugung orthodoxer Christen ein Wunder, das sich jedes Jahr wiederholt. Und um dieses Wunder hautnah mitzuerleben, reisten Pilger aus aller Welt in die Heilige Stadt, in der die Menschenmassen jedoch nur mühevoll Platz fanden. Zwischen Pilgern und Gemäuer marschierten immer wieder auch Pfadfindergruppen durch die Gassen, bestückt mit Trommeln und Trompeten.

Während sich immer mehr Menschen durch die verwinkelten Gassen und schmalen Wege der historischen Altstadt quetschten, begann die israelische Polizei schon am Vormittag damit, die Wege zur Kirche abzusperren. Dabei kam es zu Rangeleien und heftigen Wortgefechten zwischen der israelischen Polizei und frustrierten, teils wütenden, Gläubigen. «Ich habe viel Geld bezahlt um hierher zu kommen. Und jetzt lässt ihr mich nicht rein?» ärgerte sich Nicole, eine Kanadierin die mit ihrem Mann eigens für das Osterfest nach Jerusalem gekommen ist. Immer wieder schreit sie zu den Polizisten hinüber, die ihrerseits Mühe haben, die Absperrung gegen die wachsende Menge zu verteidigen. «Ich bin hierher gekommen, um Gott zu verehren. Und diese Idioten lassen keine Christen mehr rein» sagt Nicole verärgert. Aber sie werde alles Filmen, sagt sie. Die Aufnahmen schickt sie ans Kanadische Fernsehen.

Police checkpoint holding up worshippers

Auch ein palästinensisch-amerikanischer Pilger aus Las Vegas hat seinen Frust lautstark raus gelassen. «1300 Dollar hat mein Flug gekostet. 1300!», brüllt er um sich. Bis drei Uhr Morgens sei er in der Kirche gewesen und wollte eigentlich bis zum Heiligen Feuer drinnen bleiben. Aber sie wurden alle raus geschickt. Beim zweiten Versuch hat man ihn wieder hinter die Absperrung gedrängt. «Geht, geht» riefen die Polizisten immer wieder. Gedrängt wurde auf beiden Seiten der Absperrungen. Jene, die draussen fest steckten, versuchten alles, um rein zu kommen. Und gleichzeitig flüchteten viele, die schon drinnen waren, vor den erdrückenden Massen nach draussen. Eine Frau kollabierte und wurde bewusstlos von der Rettung abgeholt.

Derartiges haben Tausende andere bewusst vermieden. Auf Plastikstühlen unter einem Sonnensegel warteten sie stundenlang geduldig, bis das Heilige Feuer aus der Kirche an ihnen vorbei getragen wurde. «Wichtig ist nur das Licht», sagt ein ägyptischer Christ, der schon zum fünften Mal in Folge das Osterfest in Jerusalem verbringt. «Bald ist es soweit», sagt er, und teilt Kerzenbündel an seine Mitreisenden aus. Kurz danach drängen alle Richtung Stadttor. Begleitet von euphorischen Rufen und Gesängen strömten die Gläubigen zum Feuer, das aus einem riesigen Holzkreuz empor stieg. Von der Quelle wanderte die Flamme von einer Person zur nächsten, von Kerze zur Kerze, bis hunderte kleine Rauchsäulen das Blickfeld füllten. Die Mühen des Gedränges und des langen Wartens schienen schnell vergessen. Und nach einigen Minuten hörten die letzten Kerzen auch schon wieder auf zu brennen. 

Jerusalem

The holy light Jerusalem

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